Von Goldflittern und Söldnermünzen

07. November 2021 | Goldwaschen

Verfasser: Ernst Rupp, Steffisburg

Die Rotache entspringt im Gebiet Schwarzenegg/Heimenschwand und durchfliesst eine tiefe Schlucht, bevor sie nach ein paar Kilometern flachen Gebietes nördlich von Thun in die Aare fliesst. Obwohl dieses Gebiet zum Teil schon durch Kelten und Römer besiedelt war, fehlen Hinweise auf eine frühe Goldwäschertätigkeit. Ein erster Hinweis auf Goldvorkommen steht in der Sage "Die Zwerglein in der Rotachenschlucht", die nachts Goldkörnchen in den Bach geschüttet haben sollen.

Als 1941 W. Imhof und R.F. Rutsch im Auftrag des Kriegs-Industrie- und Arbeitsamtes die Flüsse des Napfgebietes nach Goldvorkommen untersuchten, gelangten sie auch bis an die Chise, die nur wenige Kilometer nördlich der Rotache in die Aare mündet. Von der Rotache fehlen Aufzeichnungen, so dass diese damals wohl nicht auf Goldvorkommen untersucht wurde, obwohl sie geologisch gleich beschaffenes Gebiet durchfliesst.

In neuerer Zeit war es dann Peter Pfander, der, soweit bekannt, als Erster in der Rotache nach Gold suchte, solches fand und dessen aussergewöhnlichen Glanz beschrieb. Mit der Zeit tauchten immer mehr Goldsuchende an der Rotache auf, und ab etwa 1995 herrschte an Wochenenden und während der Ferien oft ein richtiges Gedränge. Der Ruf des Goldes in der Rotache verbreitete sich so weit, dass dort sogar Goldsucher aus Österreich und Deutschland zugange waren.

Obwohl nicht in die Ufer hineingegraben werden sollte, wurde das Bachbett der Rotache an manchen Stellen doch immer breiter. Auch in der Schlucht wurde, wo immer möglich, fast alles umgegraben. Mit der Zeit war das Gold zum grossen Teil ausgeräumt. Heute kann man aber immer noch ein paar Flitterchen finden. Und so fand ein Goldsucher 2020 noch einen nicht ganz vier Gramm schweren Flitter. Wie viel Gold in der Rotache in den letzten Jahren gefunden wurde, ist nicht bekannt, doch dürfte es in vielen Sammlungen vorkommen.

Die Rotache wurde früher, wie bei vielen Gewässern einst üblich, auch für die Abfallentsorgung benutzt. Wie Funde zeigen, sind dabei – wohl irrtümlich – auch wertvollere Sachen weggeworfen worden. So fand sich unter anderen Gegenständen auch eine kupferne Gewandschliesse und ein römischer Sesterz. Zwei andere Goldsucher fanden je eine 3,2 Gramm schwere "Söldnermünze" von der Art, wie sie nach der Schlacht von Marignano 1515 den auf französischer Seite kämpfenden Söldnern ausbezahlt wurden. Wie diese Münzen an die Rotache gelangt waren, dürfte wohl für immer ein Geheimnis bleiben. Auch andere Münzen kamen in der Rotache zum Vorschein, insbesondere in der Schlucht viele Ein- bis Zwanzigräppler aus den Jahren 1870 bis 1880.

Wo die Rotache in die Aare mündet, kann auf der rechten Aareseite noch feines Gold gefunden werden. Es ist aber nicht sicher, ob alles davon aus der Rotache stammt, denn weiter oben fliesst die Zulg in die Aare, und diese führt ebenfalls Gold. Auch besteht in diesem Gebiet der Grund der Aare teilweise aus Molassegestein, das ebenfalls Gold enthalten könnte.

zurück zur Übersicht

Blog abonnieren

Wir informieren Sie über neue Artikel.